Glücksspielsucht – Warnsignale, Hilfe und Beratung
Diese Seite richtet sich an Betroffene und Angehörige. Hier findest du Warnsignale, einen Selbsttest, kostenlose Hilfsangebote und Informationen zur OASIS-Sperre.
Warnsignale erkennen
Glücksspielsucht entwickelt sich schleichend. Was als Unterhaltung beginnt, kann sich zu einem ernsthaften Problem entwickeln – oft ohne dass die betroffene Person es selbst sofort bemerkt. Die folgenden acht Warnsignale können auf ein problematisches Spielverhalten hindeuten.
- Länger spielen als geplant: Du nimmst dir vor, nur 30 Minuten zu spielen, aber sitzt regelmäßig stundenlang vor dem Bildschirm.
- Verluste nachjagen: Nach einem Verlust spielst du weiter, um das verlorene Geld zurückzugewinnen – und verlierst dabei oft noch mehr.
- Geld leihen: Du leihst dir Geld von Freunden, Familie oder nimmst Kredite auf, um weiterspielen zu können.
- Lügen über das Spielen: Du verheimlichst gegenüber Nahestehenden, wie viel Zeit und Geld du tatsächlich investierst.
- Vernachlässigung: Arbeit, Familie, Freunde oder Hobbys treten zunehmend in den Hintergrund.
- Reizbarkeit: Du wirst ungeduldig oder gereizt, wenn du nicht spielen kannst oder jemand dein Spielverhalten anspricht.
- Kontrollverlust: Du hast schon mehrfach versucht, weniger zu spielen oder aufzuhören – ohne Erfolg.
- Finanzielle Probleme: Rechnungen bleiben unbezahlt, das Konto ist überzogen, Schulden häufen sich an.
Wichtig: Bereits zwei oder drei dieser Warnsignale können auf ein problematisches Spielverhalten hindeuten. Du musst nicht alle Punkte erfüllen, um Hilfe zu suchen. Je früher du handelst, desto besser.
Selbsttest – 5 ehrliche Fragen
Dieser kurze Selbsttest ersetzt keine professionelle Diagnose, kann dir aber helfen, dein Spielverhalten ehrlich einzuschätzen. Beantworte die Fragen für dich selbst – ehrlich und ohne Beschönigung.
Frage 1: Hast du schon versucht, weniger zu spielen oder ganz aufzuhören – und es nicht geschafft?
Frage 2: Denkst du häufig ans Spielen, auch wenn du gerade etwas anderes tust – bei der Arbeit, im Gespräch oder vor dem Einschlafen?
Frage 3: Hast du schon Geld eingesetzt, das eigentlich für Miete, Rechnungen oder andere wichtige Ausgaben bestimmt war?
Frage 4: Hast du jemals gegenüber Familie oder Freunden gelogen, um dein Spielverhalten zu verbergen?
Frage 5: Fühlst du dich nach dem Spielen regelmäßig schuldig, ängstlich oder niedergeschlagen?
Wenn du zwei oder mehr Fragen mit Ja beantwortet hast, empfehlen wir dir dringend, mit einer Beratungsstelle zu sprechen. Das ist kostenlos, anonym und unverbindlich. Die wichtigsten Anlaufstellen findest du im nächsten Abschnitt.
Hilfsangebote
Du bist nicht allein. Es gibt zahlreiche professionelle und kostenlose Hilfsangebote für Menschen mit Glücksspielproblemen. Der erste Schritt ist oft der schwerste – aber er lohnt sich.
BZgA-Beratungstelefon: 0800 1 37 27 00 – kostenlos, anonym, Mo–Do 10–22 Uhr, Fr–So 10–18 Uhr
Online-Beratung: check-dein-spiel.de – Informationen, Selbsttest und Chat-Beratung der BZgA
Gamblers Anonymous: anonyme-spieler.org – Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland, kostenlos und ohne Anmeldung
Caritas Suchtberatung: caritas.de/suchtberatung – persönliche Beratung vor Ort und online
Alle genannten Angebote sind kostenlos und vertraulich. Du musst keinen Namen nennen und gehst keine Verpflichtung ein. Manchmal hilft es, einfach mit jemandem zu reden, der die Situation kennt und versteht.
OASIS-Sperre – so funktioniert es
Die OASIS-Sperre ist das zentrale Sperrsystem für Glücksspiel in Deutschland. Wenn du dich sperren lässt, wirst du bei allen GGL-lizenzierten Anbietern gleichzeitig gesperrt – Online Spielotheken, Sportwetten und stationäre Spielhallen.
Sperre beantragen
Du kannst die Sperre direkt bei jedem GGL-lizenzierten Anbieter beantragen – im Kundenbereich oder per E-Mail an den Support. Alternativ kannst du dich direkt an die GGL wenden. Eine Fremdsperre durch Angehörige ist ebenfalls möglich.
Mindestdauer wählen
Die Mindestdauer beträgt 3 Monate. Du kannst auch längere Sperrzeiten wählen – 6 Monate, 1 Jahr oder unbegrenzt. Die Sperre gilt sofort nach Bearbeitung durch den Anbieter.
Was passiert während der Sperre?
Du kannst dich bei keinem GGL-lizenzierten Anbieter mehr anmelden, einzahlen oder spielen. Das gilt online und offline. Bestehende Guthaben werden dir ausgezahlt. Die Sperre kann während der Mindestdauer nicht aufgehoben werden.
Sperre aufheben
Nach Ablauf der Mindestdauer kannst du die Aufhebung beantragen. Zwischen Antrag und Aufhebung liegen mindestens 3 weitere Monate – eine bewusste Bedenkzeit. Bei einer unbefristeten Sperre gilt dasselbe Verfahren.
Hinweis: Die OASIS-Sperre schützt dich nur bei regulierten Anbietern. Anbieter ohne GGL-Lizenz sind nicht an das Sperrsystem angebunden. Das ist ein weiterer Grund, ausschließlich bei lizenzierten Anbietern zu spielen.
Für Angehörige
Wenn du befürchtest, dass jemand in deinem Umfeld ein Glücksspielproblem hat, ist das eine belastende Situation – auch für dich. Wichtig: Du bist nicht schuld, und du kannst das Problem nicht allein lösen. Aber du kannst unterstützen.
- Sprich die Person an – ruhig, ohne Vorwürfe, zu einem geeigneten Zeitpunkt. Beschreibe, was du beobachtest und was es mit dir macht.
- Informiere dich – je mehr du über Glücksspielsucht weißt, desto besser kannst du die Situation einordnen.
- Schütze deine Finanzen – gib der betroffenen Person kein Geld zum Spielen und übernimm nicht ihre Schulden.
- Hole dir selbst Hilfe – die BZgA-Hotline und die Caritas-Beratung sind auch für Angehörige da.
Du kannst auch eine Fremdsperre bei der GGL beantragen, wenn du begründete Sorge hast. Die Entscheidung, ob die Sperre greift, trifft dann die Behörde nach Prüfung.
Fazit
Glücksspielsucht ist eine anerkannte Erkrankung – kein Zeichen von Schwäche. Es gibt professionelle, kostenlose und anonyme Hilfsangebote, die wirklich helfen. Wenn du bei dir oder jemand anderem Warnsignale erkennst, zögere nicht, den ersten Schritt zu machen. Ein Anruf bei der BZgA (0800 1 37 27 00) ist anonym, kostenlos und kann der Anfang einer Veränderung sein.